Freitag, 20. Dezember 2013

À bientôt, Paris!



Finie, finie la vie à Paris..

Zumindest ab morgen für mich.
Die letzte Party ist gefeiert, die letzte Klausur geschrieben, in die letzte Metro wird morgen gestiegen. Und dann wars das schon wieder. Am Ende ging doch alles schneller als ein Wimpernschlag und dabei ist noch lange nicht alles gesehen!
Aber es wäre auch utopisch zu meinen in nichtmal 5 Monaten den Nabel Frankreichs, Europas, der ganzen Welt am liebsten, wenn es nach den Parisern ginge, auch nur ansatzweise mitnehmen zu können.

Und was noch fehlt, das kann, sollte, muss dann einfach nachgeholt werden beim nächsten Mal, steigert die Vorfreude auf ein Wiedersehen. Denn schließlich führen alle Wege am Ende eigentlich hierhin. Oder so. 

Was dann bleibt ist wie so oft ein lachendes und ein zwiebelndes Auge. Denn selbst wenn der Geruch von frischen Pains au chocolat  am Morgen fehlen wird, wenn man nicht mehr alle paar hundert Meter an einer großartigen Ausstellung oder einem der zig Weltmuseen vorbeikommt und man noch "grade mal kurz" einen Blick auf Degas oder Frida Kahlo wirft, weils grad aufm Weg war und einfach nichts kosten soll, wenn man nicht ständig ein neues Café super mignon entdeckt, was dazu verführt sich doch nochmal kurz zum Lesen, Schreiben, Quatschen niederzulassen und nicht mehr jedes zweite Wochenende irgendwelche Freunde vor der Tür stehen, um "nur für 2, 3 Nächte" zu bleiben, so ist da auch die Sehnsucht nach dem, an was es diesem großartigen Paris dann doch fehlt. Groß ist die Freude auf einen Ort, wo einem nicht alle paar Meter Mengen von Milliausenden vor den Füßen rumtreten, wo selbst der entlegenste Fleck mit dem Rad in einer halben Stunde zu erreichen ist, auf eine funktionierende Küche, Mitbewohner, die es schaffen ein kurzes "Gruß du Omma" vernehmen zu lassen, wenn sie zur Tür hineinkommen, auf ein eigenes Zimmer das weniger mit dem Sarg Graf Draculas gemeinsam hat und auf die Menschen, die sich eben nicht einfach ersetzen lassen. Ihr habt gefehlt! Der ein oder andere ganz besonders..




Und was zurückbleibt sind wunderbare souvenirs an Momente, die es wert waren..

Ce qui reste à la traîne, ce sont des souvenirs merveilleux aux moments qui valent...


absolute Lieblingsmuseen 
definitiv Orsay, Pompidou 
und Palais de Tokyo..

mes musées préférés: le Musée d´Orsay, Pompidou et le Palais de Tokyo...








fehlen wird auf jeden Fall auch die stets wohlriechende, nie überfüllte Untergrundbahn!


et ce qui va manquer de même, c´est le métro toujours odorant et jamais trop plein à craquer!
























sowie abgedrehte Soirées in großräumigen Abstellkammern..

ainsi que des soirées super folles dans le débarras p.e...










und natürlich bedenkliche Ausflüge in den Pariser Untergrund abseits der Metro..

et bien sûre des excursions nocturnes dans les catacombes.. 

À la prochaine, Paris et toutes les personnes hyper mignonnes, dont j´ai pu faire la connaissance! Merci à tous ceux qui m´ont aidé avec plein de trucs pour m´orienter, m´adapter et passer un semestre super chouette d´Erasmus! Vous êtes bien invités à venir me voir à Mayence mais de toute façon je reviendrai! Bisous!











zwischen Bordsteinschreien und dem Treibenschweigen strömen Fußpaare auf nassem Asphalt. des Penners Sneakers sind eines von ihnen, bloß dumpfer und schleppend. er zieht die Kapuze ins Gesicht, ihm ist kalt.
sein Tunnelblick erfasst wieder nur scheintote Körper auf automatischen Treppen. an der Nahtstelle zwischen Hackenhektik und Lebenslethargie. unter den müden Businessfüßen der Luxus des fließenden Stahls. das Sichaussetzen der täglichen Reizüberflutung. zu laut, zu grell, zu "das stinkt".


und vielleicht stinkt sein Leben auch, vielleicht leckt sein Paar Schuhe, aber trotzdem würde er sie für nichts gegen jegliche wichtige Luxustreter tauschen. weil er weiß was sich dahinter verbirgt-
in seinem Kopf hallt dumpf wieder, was mal war

"du bist hin- und hergerissen
du fühlst dich gut und zugleich - beschissen
du weißt warum und kennst nicht den Grund
die Welt ist nur grau und doch viel zu bunt
alles so farblos und gleichzeitig grell
deine Vergangenheit dunkel, die Erinnerung hell
du bist ein Falschfahrer auf der Autobahn des Lebens
du hast das Spiel nie verstanden, jeder Versuch war vergebens

du wirst es nie verstehen
wirst eh bald untergehen
haben sie dir prophezeit
keiner nahm sich jemals für dich Zeit
sie haben dich aufgegeben, bevor es an der Zeit war
sie haben dich fallen lassen, denn es war so viel leichter
als zwar existent aber lebensunfähig abgestempelt
dich auf den Sperrmüll gestellt wie alten Krempel
niemand hat sich je für dich interessiert
du wurdest noch nicht einmal toleriert
jeder hat dich immer nur abserviert
hat dich weitergeschoben
und dich weiter belogen

du hast es immer nur alles hingenommen
bist stets brav in Richtung des Stroms geschwommen
warst eine von den Pflanzen, die schon als Samen verkommen
und obwohl du die Anschuldigungen hörst, nicktest du nur beklommen
immer nur zugestimmt
aber niemals selbst bestimmt
immer nur den Copilot gespielt, aber niemals selbst gelenkt
du warst noch nie einer, der für sich selber denkt-"

bis ihm dann endlich ein Licht aufging. und selbst wenn sein Leben stinkt und seine Schuhe lecken, so hat er wenigstens die Eier um die runterfahrende Rolltreppe hochzulaufen. und den Luxuslatschern dabei auf die Zehen zu treten.






Mittwoch, 20. November 2013

Voilà, mon quartier.. et "Tout va mieux"




"Tout va mieux" - meine persönliche Begrüßungszeile am Morgen. Jeden Tag. Serviceleistung "Motivation".







"Meine Stadt, mein Bezirk, mein Viertel, meine Gegend, meine Straße, mein Zuhause, mein Block.."




Lang ists her, aber endlich haben sich mal wieder Zeit und Motivation die Hand gegeben und mich zum Schreiben angehalten. Dabei sollen diesmal surtout die Bilder sprechen. Schließlich zieht man nicht umsonst mit Kommilitone und Spiegelreflex durch Friedrichshain alias Stalingrad und knipst fürs Theateratelier sein Quartier. 


Noch immer werde ich übrigens von den meisten Parisern schräg angeschaut, wenn ich erzähle in welchem Viertel ich residiere, doch beunruhigen kann mich das mittlerweile nicht mehr. Toi toi toi bin ich bisher noch in nicht eine denkwürdige Situation geraten. Vieles scheint einfach heiße Luft zu sein.
Und dieses Viertel hat trotz seines schattigen Rufes durchaus seinen Charme. Und das nicht zuletzt, weil sich die Jugend immer mehr in den Nordosten verlagert. Hier ist es billiger, weitestgehend tourifrei und die studentischen Szenenviertel genau wie das Montmartre sind gleich um die Ecke. Was man zu sehen bekommt ist ein unverschöntes demaskiertes Paris. Denn auch das gehört zum Stadtbild.







Übrigens muss ich zugeben, dass mich selbst beim Anblick der Bilder bereits erste Melancholie befällt, bleibt mir doch heute auf den Tag nur noch ein Monat in der französischen Hauptstadt. Umso mehr heißt es jetzt schon mitnehmen, was geht an jeglichen Pariser Großartigkeiten. Da wären vergangene Woche zum Beispiel eine besonders ästhetische Inszenierung von Dostojewskis "Der Idiot" im Théâtre de Belleville, experimentelle Konzerte in abgefahrenen Locations oder die Pasolini-Ausstellung in der Cinémathèque Française gewesen; sowie mein absolutes Highlight: die Ausstellung zum Gesamtwerk des Fotografen Erwin Blumenfeld im Jeu de Paume. Und auch die nächsten Wochen steht noch Einiges auf dem Plan. Nicht zuletzt ein kleiner Filmdreh in den Straßen der Stadt.. To be continued.







Gedankenmassen. 
Klebrig tropfende Gedankenblasen ziehen an ihm vorbei. Er betrachtet sie fasziniert. Doch seine Bewunderung weicht schnell einer Verwunderung. Verwunderung? Verwundung. Skepsis. Die unausgewogenen Seifengewabe sind nicht transparent.. Die unausgewogenen Seifengewabe schimmern nicht in allen erdenklichen Farben regenbogenartig; sie schimmern unartig, undurchsichtig, schimmern - schwarz. Und wenn er sie leise mit der Fingerspitze berührt, leise verführt, dann schrecken sie nicht erschrocken zurück, zerplatzen und disapparieren, nein sie zaudern und zappeln und ihre züngelnden Zungen recken ihre hungrigen Mäuler nach ihm und umschließen die Kuppe seines Fingers mit einer klebrigen Masse, wie Pech. Er wird panisch, denn plötzlich geht das penetrante Sekret nicht mehr ab.[...]  
Und er wünschte er wäre erschrocken, erschüttert, erzürnt. Geängstigt oder geekelt, doch er spürt -

Nichts.


Weil da nichts mehr ist. Und er verschenkt die schwarzen Gedankenblasen an die Irrelevanz um bloß der Bedeutung keinen Besuch abstatten zu müssen. Er fragt sich wie viele Flaschen Wein er wohl getrunken haben muss seit er gegangen ist und umgeht den Gedanken, dass die Tränen, die er seitdem weinte, nicht mal eine von ihnen füllen könnten -




Sonntag, 20. Oktober 2013

Übers Trödeln in der Hauptstadt



"[...] Denn Paris haben nicht die Fremden sondern sie selber, die Pariser zum gelobten Land des Flaneurs, zu der `Landschaft aus lauter Leben gebaut´, wie Hofmannsthal sie einmal nannte, gemacht. Landschaft - das wird sie in der Tat dem Flanierenden. Oder genauer: ihm tritt die Stadt in ihre dialektischen Pole auseinander. Sie eröffnet sich ihm als Landschaft, sie umschließt ihn als Stube." - Walter Benjamin

...Und sich dieser ausgesprochen lebendigen Landschaft zu entziehen ist vermutlich kaum möglich. Wer in Paris lebt, nimmt den Rhythmus dieser Stadt an, wird von ihm aufgesaugt. Das Leben hier ist schnell, die Wege sind lang, die Metros überfüllt, ruhige Minuten spärlich gesät. Denn der Pariser ist viel unterwegs. Natürlich - denn wenn man sich die vier Wände der Meisten anschaut (oft nicht größer als 19m2 mit Küchenzeile und Minibad, im besten Falle noch mit ein bis zwei Mitbewohnern) ist es évidemment, warum sich das Leben eher außerhalb abspielt - selbst in mummeligen Wintermonaten. Im besten Fall hat man dann noch das Los einer erzkatholischen Stubenhockermitbewohnerin gezogen, welche ununterbrochen in beeindruckender Lautstärke sowie Ausdauer italienische Skypekonferenzen mit ihrem Verlobten abhält und gegen jeglichen Besuch Einspruch erhebt. Hier weht ein anderer Wind als in meiner nun doch SEHR zu schätzen gelernten Mainzer Wohn- und Trinkgemeinschaft. Hier ist in erster Linie Haushalt = Lebensaufgabe und größtes Vergnügen. O-Ton: Das Bad geputzt wird jawohl jeden Tag! Dass das Studentenwohnheim nicht Vatikanstadt ist - selbst wenn es von Eisentoren mit Türcode umzäunt sein mag - scheint noch nicht überall so ganz angekommen. Zum Glück gibt es außerhalb des Gemäuers Programmangebot en abondance. Da wäre par exemple...



Flohmarkt, Vintage, Secondhand! Paris gibt Einiges her was das Trödelherz begehrt. Und das sogar zwischendurch zu durchaus erschwinglichen Preisen! Hier nur ein paar von zahlreichen Eindrücken der Pariser marchés aux puces...







Und auch der Hipster kommt natürlich nicht zu kurz. Nerdbrille, Schnorres, Omma-Unnerbux, es findet sich alles was das Hipsterherz begehrt..
Nach nun also mittlerweile 2 Monaten - und somit schon fast Halbzeit jenes superkurzen Erasmussemesters - hat man sogar fast schon das Gefühl ein bisschen dazuzugehören. Das Französisch wird langsam flüssiger, der Boulanger nebenan grüßt jeden Morgen und ich verlaufe mich nur noch in ca. 30 % der Fälle, wenn ich einen neuen Ort aufsuche. Und ist man selbst noch immer ein ungeheuer austauschbarer Teil jenes Kosmos dieser Stadt, kann man sich beizeiten doch schon dabei ertappen, wie man sich über die elendigen Touristen beklagt, die mit ihren aufgefalteten Stadtplänen die Metro verstopfen..












[...] Genüsslich inhalierte er den ersten Zug seiner bei Weitem nicht mehr ersten Zigarette an diesem Morgen. Er hatte sich das Drehen extra für die letzten 5 Minuten der Vorlesung aufgehoben, um das Ende der quälend eintönigen Abhandlung über den Zusammenhang von Platon und moderner Literaturwissenschaft zu beschleunigen. Die Kippe war schlecht gedreht, aber wen interessierte das schon. Wenn er wollte konnten sie perfekt sein. Er wollte nicht.
Er wollte seine Ruhe haben. Er war extra bis um die Ecke des hässlichen Gebäudes gegangen. Er wollte nicht bei den Modequalmern stehen und von anschmachtenden Pseudoraucherinnen nach Feuer gefragt werden. Die Kopfhörer auf seinen Ohren pumpten einen hypnotischen Beat in seinen entleerten Kopf. Entleert durch den Restbestand des Alkohols der letzten Nacht und die leeren Gespräche derselben. Die Eintönigkeit des Rhythmus erinnerte an die Worte seines Professors.
Gerade musste die Metrostation einen neuen Schwall Studenten ausgespuckt haben, er machte ein paar Schritte zurück, spürte wie sich der raue Stein des hässlichen Gebäudes in seinen Rücken stemmte. Die Sonne strahlte ihm aufdringlich entgegen und er verfluchte seine Sonnenbrille bei Janine vergessen zu haben. Janine [...]
Die Studenten, die an ihm vorbeiliefen, trugen gewissenhaft leere Gesichter auf ihren Schultern. Der Anblick jener Hüllen, die täglich auf der Suche nach Etwas in Scharen hierhin und dorthin an einem vorbeizogen, widerte ihn an. Schaufensterpuppen. ( Sie waren nichts als Schaufensterpuppen in einer Welt in der jeder vor dem Gesetz irgendwie ein bisschen frei war, aber die Ketten des Konsums schwerer wogen denn je. Wo der Mensch sich nicht mehr mittels Wörter belog um den Anschein zu erwecken frei zu sein, sondern Kleidungsstil die neue Statusmeldung war. Lederrucksack der neue Jutebeutel. Leoleggins die neue Röhrenjeans. Je mehr du dich traust, desto freier bist du. Bis Normalsein das neue Anderssein ist.)
Unter den Vorbeiziehenden trafen seine müden Augen auf einen weiblichen Körper, der drohte in der Menge unterzugehen. Ein Mädchen mit Hemd. [...] Er war sich sicher, dass es von einem Mann stammte. Überrascht stellte er fest, dass ihn das störte. Sie spürte seine forschenden Augen wie sie aus der Ferne auf ihr hafteten und entschied sie zu ignorieren. Er bemerkte es nicht. Als sie sich auf seiner Höhe befand warf sie seinen geröteten Augen einen fragenden Blick entgegen, der keine Antwort haben wollte. Eine Bruchteilsekunde später bog sie um die graue Ecke des hässlichen Gebäudes. Das Interesse hatte sie schon wieder abgelegt. [...] Er hatte dieses Mädchen noch nie gesehen. Sie war auch nicht auffällig, war sie nicht einmal sonderlich schön. Trotzdem fühlte er ein Unbehagen bei dem Gedanken, dass ihr Körper das Kleidungsstück eines Mannes trug, mit dem es vielleicht die letzte Nacht verbracht hatte. Er dachte über den Sekundenbruchteil nach, in dem ihre Augen den seinen etwas entgegengeworfen hatten. Hatten sie das wirklich? Oder war ihr Blick nicht eigentlich nur ziellos durch die Gegend geglitten und zufällig für einen Moment an dem seinen hängen geblieben; eine völlig natürliche Reaktion, wenn sich zwei unbekannte Augenpaare zufällig treffen?
[...] Er hatte Kundera gelesen. Das Bild der Zufälle, die sich, wie die Vögel auf den Schultern des Franz von Assisi, auf der Liebe niederlassen müssen, damit diese unvergesslich sei, hatte ihm irgendwie gefallen. Er war nicht abergläubisch oder romantisch, aber er glaubte an die Einzigartigkeit, die für ihn eine ganz besondere Melancholie bedeutete. In diesem Punkt stimmte er Kundera nicht zu, der das Nichtvorhandensein von Nietzsches Ewiger Wiederkehr vor allem als eine Bürde sah. Für ihn bedeutete die Einzigartigkeit der Geschehnisse nicht nur eine Leichtigkeit im Umgang mit ihnen, sondern sprach ihnen gleichzeitig in dem Moment, da sie passierten, eine äußerste Bedeutung zu. Das Wissen um die Einzigartigkeit konnte erleichternd (wenn der Moment unangenehm) aber ebenso beschwerend (wenn der Moment angenehm) sein. Er sammelte ebenjene süßlich beschwerenden Momente, an denen man sich festklammerte, damit sie bloß nicht vergingen, bis die Zeit sie einem gnadenlos entriss. [...]