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7 Sachen + das Nötigste
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Jungsein also, das soll einen hier erwarten in der Weltstadt der Liebe. Aus rückblickender Sicht eines über 50-Jährigen mag das poetisch geklungen haben, für eine 21-Jährige Studentin die selbst geschminkt noch beim Kauf von Dosenradler an der Pennykasse nach dem Ausweis gefragt wird, klingt es eher nach dem Aufruf einer Selbstverwirklichungsgruppe für Alt-68er.
Und der junge Wind der französischen Hauptstadt schlägt bei Verlassen des Gare de l´Est tatsächlich nicht entgegen. Dafür jedoch eine prompte Reizüberflutung jeglicher Sinnesorgane. Denn Paris ist laut. Paris ist bunt. Paris ist bewegt.
Und Paris ist multikulturell. Eine der ersten eindrücklichen Erkenntnisse bei Erreichen meines neuen Heimes. Metrostation "Stalingrad"; die Franzosen haben Humor. 1 zu 0 für mein Viertel, welches im 19. Arrondissement liegt und wo es gar nicht so einfach ist als durchschnittliche Mitteleuropäerin nicht aufzufallen. Denn hier scheint sich vor allem Nordafrika niedergelassen zu haben. Die Frauen tragen hier knallbunte Gewänder, Kopftücher und ihre Kinder noch auf dem Rücken. Zumindest bis 20 Uhr, danach scheinen sie wie von den Straßen gefegt, wo sich dafür ihre männlichen Pendants bis in die späten Stunden tummeln.
Auf die Frage wie es mit nachts allein nach Hause laufen aussähe, zeigten die meisten meiner Wohnheimsnachbarn ungefähr folgende Reaktion:
Aber dafür gibt es hier die günstigste Boulangerie in ganz Paris und die höchste Dichte an rund um die Uhr geöffneten "Magasins Africains et Exotiques".
Nach anfänglichen Einzugskomplikationen im leicht heruntergekommenen Wohnheimsappartement und dem Kennenlernen des rückwärts arbeitenden französischen Bürokratiedschungels, habe ich nun endlich Strom, Internet, erste waschechte Pariser Bekanntschaften und bereits ein paar zauberhafte Einblicke in einige der einzigartigen Schätze dieser Stadt. Nur beklaut wurde ich noch nicht. Aber im Großen und Ganzen kann man sagen ich bin angekommen. Denn zumindest das inspirierende Flair trägt erste Früchte..
Asphaltzelte
Ist diese Reise das Ziel, so ist das Meer auch der HafenIn einer Stadt, wo die Menschen nur rasten, nicht schlafen
Und Häuserlose ihre Zelte auf Asphalt aufschlagen
Wo die Metro melodisch die Erde stimuliert
Und das Treiben die Luft stoßweise elektrisiert
Wo der Herzschlag der Stadt in den Straßen pulsiert
Und Einer wie Jesus auf der Seine balanciert -
Bis die Schallwellen ihn schlagen und er schließlich verliert
Und du sagst: "Aber wir haben noch uns und das Boot"
Und ich sag: "Was wir haben ist ein Schiffbruch, Idiot"
Denn wenn die Zweifel nass von der Decke tropfen
Um sich auf unseren Häuten zu verkopfen
Und nicht nur die Oberflächen annektieren
Sondern bis in die Tiefen diffundieren
Weiß ich, dass das Schiff leckgeschlagen hat
Und du weißt es auch, selbst wenn du es nicht sagst
Und während wir panisch um die Wette schöpfen
Und die Zweifel sich an unsrer Panik ergötzen
Scheint die Zeit plötzlich nicht mehr vorbeizuhetzen
Sondern an doppelten Tatsachenböden zu kleben
Damit wir beide uns schließlich dem Schiffbruch ergeben
Und plötzlich pochen die Zweifel im Takt
Und formen leise das Wort "Versagt"
Doch die Zweifel haben uns angelogen
Denn selbst wenn das Schiff untergeht, wir schwimmen oben
Und so treiben wir zäh wie Kaugummimassen
Treiben mühsam durch verlassene Glashausgassen
Treiben weiter in die Ferne, treiben weiter, nur fort
Und spielen zum Zeitvertreib "Mann über Bord"
Bis die Panik sich hinter den Gläsern verriegelt
Und der Wahn sich eitel im Sinnspiegel spiegelt
Und treibend erreichen wir bei Tagesanbruch den Hafen
Du hörst ein Rauschen und blinzelst, erschrocken, denn du hast nur geschlafen -
In einem Zelt dieser Stadt, auf Asphalt aufgeschlagen





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