Gelobet sei das Akademische Viertel!
Oh und natürlich tägliche Einkäufe, u. A. an Wasservorräten. Das gute "Kraneberger" zeichnet sich hier nämlich in erster Linie durch eine eher weniger genießbare Chlornote aus. Kein Wunder, dass hier selbst das Jungvolk mit Hackenporsche zum Franprix marschiert.
Aber selbst wenn die Wege weit sind, ich liebe mein Viertel. Allein auf dem Weg zur Metro kann man eine halbe Weltreise erleben, durch Nordafrika, vorbei an Straßenhändlern jeglicher Art, welche einem nahezu alles verkaufen, von Büchern, Klamotten über geklaute Kopfhörer und Mobiltelefone bis hin zu auf Einkaufswagen gegrillten Maiskolben, kann es einen um die nächste Ecke bis nach Amsterdam treiben, wo auf dem Canal Saint-Martin einsame Fracht- und Passagierschiffe treiben.

Doch kommen wir zum Wichtigstem, DEM Grund warum ein Erasmusstudent eigentlich das Weite sucht - richtig, die Uni! Oder auch die "Fac" wie das gute Ding im argot genannt wird, natürlich nicht zu verwechseln mit dem umgangssprachlichen Koitusbegriff der englischen Sprache. Und hier soll auch gleich auf den beeindruckendsten Wert eingegangen werden: Die Administration an der französischen Hochschule. Getreu dem Motto "Neue Uni, Altes System" erfolgt hier jede Einschreibung noch auf ganz traditionelle manuelle Art und Weise. Dafür dass es da gelegentlich zu fast unwesentlichen Verzögerungen und Missverständnissen kommt (Irren ist ja schließlich menschlich.. - Deswegen her mit den computergenerierten Administrationen verdammt!!) hat man als Erasmusstudent natürlich vollstes Verständnis, wenn einem nach mehreren Stunden Wartezeit schließlich die Tür vor der Nase zugeknallt wird, weil es Zeit für die Mittagspause ist. Zum Glück kann mir sowas nicht passieren, ich war bei jeglichen Anmeldungen so spät dran, dass alle anderen schon weg waren. Vielleicht stehe ich deswegen auch in keinem meiner ausgewählten Kurse auf der Liste.. Aber hey, vielleicht kann ich dann wenigstens fehlen wann ich will. Für die Otto Normalstudenten heißt es hier nämlich, bei jedem Fehlen ein ärztliches Attest vorzeigen. Und auch mit Zuspätkommen ist hier nichts. Es gibt Profs, die nach Beginn des Kurses die Tür abschließen, damit keiner den akademischen Fluss unterbricht. Dabei bleibt jedoch das allbewährte Akademische Viertel vollkommen auf der Strecke! C.t. gibts nicht, dafür muss man selbst für den Klogang um Erlaubnis bitten. A propos: die Toiletten! Auch eine interessante Erfahrung in Frankreich, hier endet die Suche nach dem Örtchen nämlich meist vor folgendem Schildchen.
Was ich im Übrigen allerdings für eine ziemlich kluge Idee halte. Dreckiger als auf den getrennten Toiletten ist es hier nämlich beim besten Willen nicht und ich habe selbst zur Rush-Hour noch kein einziges Mal anstehen müssen!
Aber natürlich hat die Uni auch noch Anderes zu bieten, als verkürzte Wartezeiten beim Toilettengang. Abgesehen von der bezaubernden Lage im akademischen Quartier Latin, direkt um die Ecke der Grande Mosquée de Paris und der Seine, und umrandet von schnuckeligen Cafés, Supermarkt und der preiswerten Mensa, hat vor allem das Lehrprogramm was zu bieten. So konnte ich mal eben feststellen, dass eines meiner praktischen Ateliers von Schauspieler und Autor Olivier Brunhes geleitet wird, welcher u.A. mit Leuten wie Ariane Mnouchkine zusammengearbeitet hat.
Wenn das also kein kreativ inspirierendes, sowie brav besuchtes Semester wird... Vielleicht.
Wie – das ist hier nicht ausgeschildert?!
Er:
Gib mir einen Kuss und du hast einen Wunsch frei.
Sie: Gib DU mir nen Kuss und du wirst unfrei – willig Zeuge, wie dein Spielzeug sich
leider verabschieden muss. Wer sagt, dass ich ihn wolle, den Kuss?
Er:
Unfreiwillig Zeuge? Dass ich mich nicht verbeuge vor eurer Majestät! Oh, dein
Stolz mir leider im Wege steht! Unfreiwillig will ich, unfrei will ich sein; macht Platz in der Masse, da pass ich noch rein! Ich will das Gleiche wie alle,
primitiv, leicht im Bett. Was soll ich mit anders, mir reicht doch schon nett. Frage:
Wo geht’s denn hier zum Strom?




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