"Le beau est l´objet d´une satisfaction désintéressée."
Wenn mich jemand nach DEM Knotenpunkt jeglicher Vorlesungen fragen würde, in deren Genuss ich hier an der Sorbonne Paris 3 so komme, so wäre das wohl die Ästhetik. Und auch wenn Kant zufolge, ganz im Sinne der Allgemeingültigkeit, das Schöne vor allem objektiv und nach allgemein gültigen Kriterien bewertet werden muss, so ist seine Wirkung letztlich flüchtig und subjektiv - ein Reiz, ein Gefühl, eine Impression. Und wo setzt man sich solchen besser aus, wenn nicht in den Straßen dieser Stadt..
Walter Benjamin hats vorgemacht, heute flanieren täglich Millausende von Menschen durch Pariser Passagen, Gassen und Boulevards, darunter auch der ein oder andere Erasmus-Student..
Um Kunst zu entdecken hat die Stadt einiges an großartigen Museen zu bieten (und das sogar ganz umsonst für alle unter 26-jährigen Europäer)! Es reicht aber auch schon, wenn man nur mal ein paar Meter macht und die Sinne schärft. Weil Paris halt manchmal auch einfach dreckig ist. Weil es keinen schert wer was an welche Wand malt, klebt oder schmiert, solange es nicht gerade in nächster Nähe irgendeiner Aushängesehenswürdigkeit passiert. Außer natürlich zu Seiten des Centre Pompidou, hier tummelt sich die Streetartszene und neue Kunst darf auch ruhig mal auf altes Gemäuer treffen..Und dann wäre da natürlich noch das Schöne im Alltäglichen, das Schöne in der Ironie. Es hat einen Grund, warum hier kaum ein Pariser einen eigenen Drahtesel besitzt -

Es wird geklaut bis zum Umfallen. Das gute Velib stellt da die sichere Alternative dar. Dennoch, des einen Leid ist des andern Freud. So ein Fahrradskelett hat irgendwie was! Genauso wie die Kriegsbemalung jeglicher Kleinlaster und Lieferwagen..
Ästhetik gibts nicht nur fürs Auge...
Auch die Ohren werden von Zeit zu Zeit verwöhnt, weil ein kleines Orchester mitten im Untergrund die halbe Metro erfüllt oder die ausländische Jugend sich in den Irrwegen von Père Lachaise als Künstler versucht um Jim Morrison ein Ständchen zu halten.
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| Aber keine Sorge, die Strafe kam: In dieser Monsterpfütze (im Hintergrund zu sehen) haben wir uns mal eben ganz "Guck-in-die-Luft" gesamtes Schuhwerk unter Wasser gesetzt! |
..So lässt sich Paris auch bei Regen aushalten. Denn die letzten Spätsommertage sind hier jetzt wohl auch gezählt; so langsam muss man zumindest schon nen Pulli anziehen, wenn man das Haus verlässt. Aber die Sonne scheint trotzdem noch. Gruß nach Deutschland an dieser Stelle! ;)
An und für sich.
Zeitung auf.
„Ehrenmord-Prozess –
Familie Ö. zerstört sich selbst“
„Eine utopische Vision: Die
deutsche Welt“
„Nationalsozialistischer
Untergrund – Die Islamisierung ist nicht gesund“
„Kopftuchverbot im
öffentlichen Dienst – Damit das Niveau nicht noch weiter sinkt“
„Unwort des Jahres:
Döner-Mord“
Man sagt ja die
gehen hier gar nicht mehr fort
„Massenimmigration – Und
dann?“
„ABSCHIEBUNG! Abschiebung
der Roma und Sinti“
Wer sind die, die Sinti und Roma?
Vielleicht frag ich mal die Oma…Aber ist ja sonst auch egal, wer die sind...
„Misshandlung – Schwarzer Vater
schlägt sein Kind“
Und ich schmeiße die Zeitung weg,
denn ich will entkommen vor dieser Invasion, einer Invasion von Schlagzeilenpfeilen.
Doch ich merke: Diese messerscharfen
Wortspitzen, gefährlich schnell durch die Gegend blitzend, sitzen in meiner
Haut und in Deiner Haut, sorgen dafür, dass sich keiner mehr traut, keiner mehr
vertraut, man nicht mehr aufeinander,
nein noch nicht einmal nebeneinander mehr baut, weil jeder Angst hat, dass ihm
der Nachbar etwas klaut, der schwarze Spanner von nebenan schon wieder schaut,
der Pole drei Straßen weiter das neue Auto klaut, und wenn es sonst der Jamaikaner
von drüben macht, der immer nach Gras riecht und total bekifft lacht, die sind
zwar nicht fürs Klauen bekannt, aber -man weiß ja nie- und wenn es nicht er
klaut, dann vielleicht sie, die neuen Araber drei Häuser weiter, die wohnen
noch gar nicht lange Zeit da, wissen Sie, wir haben in der Gegend hier viele
Neider, NEIN die NPD wählen wir net, aber was die im Allgemeinen sagen finden
wir gar nich so schlecht, es gibt schließlich noch Grenzen, hab ich nicht
recht? Einiges geht halt einfach nicht,
Aber gegen Ausländer haben wir
nichts, so an und für sich...






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